Historische Buchbesprechung: „Das ABC des revolutionären Anarchisten“ – Nestor Machno

der synd

Bücherbesprechung

Nestor Machno: Das ABC des revolutionären Anarchisten. Verlag „Der Freie Arbeiter“. Diese Broschüre ist von dem bekannten russischen Revolutionär, Anarchisten und Führer der ukrainischen aufständischen Bauern verfaßt worden. Genosse Machno hat sich durch seinen revolutionären Einsatz ein bleibendes Verdienst um die Sache der Freiheit in Rußland erworben. Sein Name wird in den Annalen der Freiheit einen dauernden Platz behaupten.

Doch Theoretiker ist Machno nicht. Man kann guter Anarchist sein, man kann sogar die Theorien des Anarchismus aus dem FF kennen, ohne die Fähigkeit zu besitzen, das ABC des Anarchismus schreiben zu können. Dazu ist nicht nur Klarheit der eigenen Gedanken erforderlich, sondern die Fähigkeit, mit einfachsten Mitteln plastischer Ausdrucksweise und packendem Stil die Grundzüge der anarchistischen Weltanschauung dem einfachsten Leser darzustellen. Diese Fähigkeiten besitzt z.B. Maletesta in hohem Maße, Krapotkin waren sie ebenfalls eigen, während Männer wie Proudhon oder Bakunin sich schon weniger dazu eigneten. Machno ist auch nicht der Mann dazu. Schon auf der ersten Seite finden wir Wörter und Sätze wir folgt: „Die sozialpolitische Physiognomie des Anarchismus ist die freie, regierungslose Gesellschaft, Freiheit, Gleichheit und Solidarität im Leben ihrer Mitglieder.“ Etwas weiter heißt es dann wieder „Der Anarchismus wird durch die Natur des Menschen in das menschliche Leben hereingetragen. Der Kommunismus durch die logische Weiterentwicklung des Anarchismus. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, theoretisch mittels wissenschaftlicher Analyse und faktischen Materials die grundlegenden Postulate des Anarchismus zu formulieren …“

Auf diese Weise geht es weiter. Wir wissen nicht, ob Machno in der Originalsprache, also im Russischen, sich klarer ausdrückt. In dieser Übersetzung jedenfalls erscheint uns die Definierung des Anarchismus unannehmbar.

In der Kritik der Sozialdemokratie und der Bolschewisten ist Machno schon stärker. Diesen Teil der Broschüre halten wie für gut. Hier ist auch der Stil verständlicher. Man merkt, daß er sich hier auf einem vertrauteren Gebiete befindet. Wäre dieser Teil als Artikel oder Broschüre für sich erschienen, dann hätten wir ihn loben können.

Interessanter erscheint uns die Selbstbiographie Machnos, die zur Zeit im „Libertaire“ zu Paris als Feuilleton erscheint. Der Verlag des „Freien Arbeiter“ würde sich ein größeres Verdienst erwerben, wenn er diese Biographie in deutscher Sprache herausgeben würde.

Aus: „Der Syndikalist“ 1926/25

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