Oskar Maria Graf: „Unruhe um einen Friedfertigen“

CIMG7008 (3) - KopieWorum geht es?

Ehrlich, unkompliziert, alltäglich und ein bisschen bayrisch – so erzählt Oskar Maria Graf vom Leben der Bewohner des Dorfes Auffing. Den Mittelpunkt der Handlung bildet der Schuster Kraus, der mit Frau und Sohn am Anfang der Geschichte hinzuzieht. Beide verlassen ihn jedoch früh, und so verbringt der Kraus den Rest seiner Tage zurückgezogen. Engeren Kontakt zu seinen Nachbarn meidet er, schließlich will er nichts mit Intrigen am Hut haben. Und aus dem „A-Bopa“, was wohl so etwas wie das Weltgeschehen ist, hält er sich erst recht heraus. Das ist jedoch nicht so einfach zu Zeiten von gesellschaftlichen Umwälzungen: Die Handlung umspannt die Münchner Räterevolution, die Weimarer Republik sowie den Faschismus. Immer wieder werden dem Leser auch Blicke in das Leben der anderen Dorfbewohner gewährt, wodurch er sich, ganz nach der realistischen Literatur, ein authentisches Bild machen kann.

Der Roman ermöglicht es, nachzuvollziehen, wie Systeme verändert und etabliert (hier besonders der Faschismus) werden können, indem die nötige Ignoranz an den Tag gelegt wird; er zeigt aber auch, dass dies nicht so schwarz/weiß ist, wie es manchmal scheint, und dahinter immer noch Menschen stecken, die ihre eigene Geschichte haben.

Heinrich Mann über „Unruhe um einen Friedfertigen“:

„‚Unruhe um einen Friedfertigen‘ hat mich während der ganzen Lektüre erfreut. Es ist einer der seltenen Romane, denen man mit Vertrauen folgt. Schwach wird es niemals werden, gewiss auch nicht falsch. Der Verfasser steht auf eigenem Boden, „da feist si nix“. […] Seine intensive, gesteigerte Wirklichkeit gelangt mehr als einmal zu alleräussersten Romanscenen, ich fand mich in der – nicht mehr häufigen – Kunst der Meister.
Dem Verfasser muss gedankt werden. […] Ergriffen […] war ich noch auf der letzten Seite, bei der nüchternen Aufzählung der künftigen Schicksale. Da zeigt sich, wie richtig jedes herbeigeführt war, wie gut dies alles.“

In einem Brief an Wieland Herzfelde, Verleger des Malik Verlags und Geschäftsführer des Exilverlags Aurora in New York, in dem der Roman 1947 erstmals erschien.

Neu gibt es den Roman gebunden und als Taschenbuch, gebraucht kann man ihn hier finden.

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