Internet-Recherche

internetrecherche

Das Internet bietet uns eine Fülle von Möglichkeiten und Informationen. Es kann uns allerdings auch erdrücken, wenn wir nicht recht wissen, wie wir mit dieser Fülle umgehen sollen.
Gerade die Literaturrecherche ist  eine Herausforderung, da wir hier nicht einfach Informationen suchen, sondern solche, die auch verlässlich, zugänglich und unter Umständen repräsentativ ist. Doch das World Wide Web überschwemmt uns schnell mit eben solcher Literatur, die diesen Auswahlkriterien nicht entspricht.

Dieser Text soll einen Überblick geben über wichtige und hilfreiche Internetseiten und die Bedingungen für einen erfolgreichen Umgang mit ihnen.

Schnell mal googeln – das machen wir bei Adressen, Wörtern, die wir nicht kennen oder den neuesten Ereignissen. Doch auch auf der Suche nach Texten oder Bibliographien können wir Suchmaschinen zu unserem Vorteil nutzen.

Wissenschaftlich googeln?

Das Problem bei Google ist in der Regel, dass wir auf zu viele Suchergebnisse stoßen und nicht wissen, wie wir diese filtern können. Hierfür gibt es ein paar einfache Tricks:

  •  Wenn wir erst einmal wissen wollen, was genau das eigentlich ist, was wir da suchen, setzen wir ein definiere oder def: (ohne Leerzeichen) vor das Wort: def:Syndikalismus
  • Phrasen, das heißt aneinanderhängende Worte, also auch Zitate, finden wir, wenn wir sie in Anführungszeichen setzen: „soziale Revolution in Spanien“
  • Wir wollen einen Dateitypen (wieder)finden, also stellen wir ein filetyp:pdf (oder eben doc, ppt etc.) vor den Suchbegriff: filetyp:pdf Der Begriff Syndikalismus
  • Wichtig sind auch die sogenannten „Booleschen Operatoren“, die wir als Keys zwischen den Suchbegriffen nutzen können, um unsere Suche zu verfeinern oder zu erweitern:
    • UND ist Standardeinstellung und bedeutet, dass nur Ergebnisse angezeigt werden, die beide Suchbegriffe enthalten: Syndikalismus UND Anarchismus
    • ODER zeigt alle Ergebnisse, die nur den einen, nur den anderen oder beide Begriffe enthalten. Nützlich ist es dann, wenn z.B. mehrere Schreibweisen möglich sind: Leo Tolstoi ODER Lew Tolstoi
    • NICHT schließt einen Begriff aus (bei Google ein Minuszeichen): Wir erhalten all jene Ergebnisse, die zwar den einen, aber nicht den anderen Begriff enthalten. Nützlich ist es zum Beispiel dann, wenn ein Begriff auch noch eine andere Bedeutung hat: Syndikat -Verbrecher

Wer keine Codes mag und die Ergebnisse noch eingrenzen möchte, kann bei Google auch die erweiterte Suche nutzen.

Achtung: Google ist eines der größten Unternehmen weltweit. Da überrascht es nicht, dass es unsere Daten speichert. Das hat auch direkte Auswirkungen auf unsere Suchergebnisse: Wir bekommen ganz nach oben gesetzt, was uns laut jener Daten, die Google von unserer IP-Adresse hat, am meisten interessiert. Wer seine Daten schützen und ein unverfälschtes Suchergebnis erhalten will, der kann auf Alternativen wie startpage oder duckduckgo zurückgreifen. Die oben angeführten Suchtipps beziehen sich jedoch auf Google und sind nur teilweise bei anderen Suchmaschinen anwendbar – einfach mal ausprobieren!

Dokumente finden

Die Bielefeld Academic Search Enigine, kurz BASE hat sich spezialisiert auf wissenschaftliche Dokumente, die frei zugänglich sind. Sie weist über 52 Millionen Dokumente auf aus über 2700 Quellen auf. Entscheidend ist, dass die Quellen zuverlässig angegeben sind und nachgeprüft werden können, was für wissenschaftliches Arbeiten sehr wichtig ist.
Auch hier ist eine erweiterte Suche möglich, bei der wir nach Erscheinungsjahr und –ort und nach Dokumentart filtern können. Ebenso sind Schlagwörter verzeichnet und wir können nach der Dewey-Dezimalklassifikation browsen, falls unsere Stichwörter uns gar nicht mehr weiterhelfen!

Digitalisierte Zeitschriften finden wir in der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek EZB. Hier können wir Zeitschriften nach Fachgebieten finden oder Zeitschriftentitel suchen. Die EZB leitet uns weiter zur entsprechenden Seite des Verlags, wobei nicht jede Zeitschrift uneingeschränkt gelesen werden kann. EZB unterscheidet zwischen solchen, die frei, beschränkt, gegen Gebühren oder nicht zugänglich sind.
Aufsätze findet die EZB nicht. Das heißt also, dass wir Relevantes nur finden können, wenn wir entweder schon von einem Artikel wissen oder wir viel Zeit haben, um die Zeitschriften durchzusehen.

Doch wie können wir Aufsätze finden, indem wir nur Schlagwörter und Suchbegriffe haben?

Fachdatenbanken

Für diesen Fall gibt es Fachdatenbanken, die uns Monographien, digitale Dokumente und Aufsätze aus Zeitschriften (teilweise auch aus Sammelbänden) zeigen. Sie sind wohl das wichtigste Werkzeug für die Literaturrecherche, denn sie sind spezialisiert auf ein Fachgebiet und finden viele verschiedene Dokumenttypen. Um Fachdatenbanken nutzen zu können, benötigen wir allerdings in den meisten Fällen einen lizensierten Zugang, der in aller Regel aus Uninetzen möglich ist. (Übrigens ist es auch als Nichtstudent an vielen Universitäten möglich, das Netz als Gast zu nutzen –mit dem eigenen Laptop oder an den PCs der Uni.)
Die Datenbanken sind jedoch meistens nur Bibliographien. Das heißt, sie beinhalten selbst keine Dokumente, sondern leiten uns nur zur entsprechenden Webseite weiter, die die Dokumente zugänglich machen, oder sie zeigen uns, an welchem physischen Ort (i. d. R. Bibliotheken) wir Bücher oder Zeitschriften finden können.

Ein Beispiel für eine Fachdatenbank ist die Modern Language Association, dessen Bibliographie wir hier finden (wenn wir uns in einem Netz befinden, der den Zugang lizensiert hat). Es ist die womöglich größte englischsprachige und internationale Datenbank für den Bereich der Literatur- und Sprachwissenschaft. Sie findet Bücher, Buchkapitel, Aufsätze aus Zeitschriften, Dissertationen und Webseiten.

Um die richtige Fachdatenbank für unser Anliegen zu finden, müssen wir erst einmal auf eine andere Webseite gehen, die uns dann die entsprechende Datenbank empfiehlt.

Metasuche

Diese „andere Webseite“ kann zum Beispiel webis sein. Hier gibt es zu Fächergruppen die entsprechenden Unterkategorien, die ihre jeweils eigenen Artikel aufweisen. In diesen Artikeln finden wir dann Informationen, welche Themengebiete zu der Kategorie gehören, welche Art von Literatur gesammelt wird und zuletzt das wichtigste: ein Link zu einer entsprechenden (virtuellen) Bibliothek beziehungsweise einem Fachportal. Diese Bibliotheken sind beteiligt am System der überregionalen Literaturversorgung, der verteilten nationalen Forschungsbibliothek (ein Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft).
Webis ist vergleichsweise klein, aber dementsprechend übersichtlich.

Sehr viel größer ist das Datenbank-Infosystem (DBIS). Hier sind zum einen die Fächergruppen differenzierter unterteilt und zum anderen ist das Angebot an Fachportalen um einiges größer als bei webis. DBIS unterscheidet unter anderem zwischen Aufsatz-, Volltext- und Bilddatenbanken, Dissertationsverzeichnissen, Fach- Zeitungs- und Zeitschriftenbibliographien und Enzyklopädien. Außerdem werden uns Webseiten in allen möglichen Sprachen und aus allen möglichen Ländern bereitgestellt. Dieses breite Angebot ermöglicht eine umfassende Recherche, jedoch ist es natürlich auch eine Herausforderung, die für unser Anliegen „richtige“ Seite zu finden. Dass wir außer nach Datenbanktyp nicht filtern können (z.B. nach Sprachen), macht die Herausforderung nicht geringer. Auch die Aufbereitung der Webseiten ist in der Übersicht nicht sehr benutzerfreundlich. Die einzige Information, die wir bekommen, bevor wir auf den jeweiligen Link klicken, der uns dann zu einer Detailansicht weiterleitet, ist der Name der Webseite sowie sein Zugang (z.B. frei im Web).

Nicht nur Links zu Datenbanken, sondern auch zu allen möglichen Webseiten, die für das jeweilige Fach interessant sein können, zeigt uns LOTSE. Ebenso wie bei DBIS und webis wählen wir aus einer Liste das uns interessierende Fachgebiet aus (leider ist das Angebot bei LOTSE noch nicht allzu groß) und anschließend einen Ort bzw. dass wir ortsunabhängig recherchieren. Dann gelangen wir zu einer Übersicht, die uns einiges bietet:

  • „Arbeiten schreiben und veröffentlichen“: Hier finden wir fächerübergreifende Informationen z.B. zur Verwaltung von Literaturnachweisen oder Tipps zur Veröffentlichung unserer Arbeiten.
  • „Literatur recherchieren und beschaffen“: Auch hier gibt es fächerübergreifende Informationen und zwar darüber, wie wir bei der Literatursuche vorgehen und die Ergebnisse auswerten können. Fachspezifisch ist an dieser Stelle die unter dem Unterpunkt „Publikationen und Medien beschaffen“ zu findende Bibliographie von Grundlagenliteratur, das heißt Einführungswerke in das jeweilige Fachgebiet.
  • „Auf dem Laufenden bleiben“ können wir mithilfe der Links und Tipps zu fächerspezifischen Forschungsprojekten, Neuerscheinungen, Blogs, Terminen, Aktuellen Nachrichten, Informationsdiensten und Social Media.
  • „Adressen und Kontakte finden“ wir für Auskünfte, Studium, Praktika, Termine etc. unter jener Rubrik.
  • „Fakten suchen und nachschlagen“: In der letzten Kategorie gibt es sowohl fächerübergreifende sowie -spezifische Informationen und Links zu Patenten, Biographien, Nachschlagewerken, Statistiken, Gesetzen und am wichtigsten: Fachportalen, die systematisch strukturiert sind.

Ein Link zum wichtigsten Portal des jeweiligen Faches befindet sich außerdem immer im Header der Übersicht.
Weiterhin verfügt LOTSE über ein Glossar, Videos, aktuelle Meldungen und viele Materialien in PDF-Format, die z.B. die hier aufgeführten Tipps zur Internetrecherche vertiefen, Hilfe beim wissenschaftlichen Arbeiten allgemein geben, zu Plagiaten und Zitierregeln, und Softwares und Verwaltungsprogramme vorstellen.
LOTSE ist eine übersichtliche Internetseite, die nicht nur nützliche Tipps zur Literaturrecherche hat – vom Fachportal zur Suchoptimierung -, sie hält auch Adressen und Nachrichten bereit, Hinweise zur Ideen- und Themenfindung oder Quizze, um das eigene Wissen zu testen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Für alle, die Hilfe brauchen beim Lesen, Schreiben, Organisieren ist LOTSE eine hilfreiche Anlaufstelle!

Bibliothekskataloge

… gehören nur bedingt zur Online-Recherche, da sie, abgesehen von wenigen elektronischen Ressourcen im Ausnahmefall, nur vor Ort nützlich sind. Doch die Literaturrecherche machen sie als vermutlich wichtigster Bestandteil aus und sollen deshalb hier auch ihren Platz finden.

Kataloge gibt es viele: sowohl jeder Bibliothek als auch regionaler Bibliotheksverbünde. Erwähnt sein soll an dieser Stelle lediglich ein Katalog: Der KVK (Karlsruher Virtueller Katalog) in dem man weltweit in über 500 Millionen Medien suchen kann. Alle im Bestand des KVK aufgenommenen Kataloge (auch von Onlinebibliotheken) lassen sich einzeln zur Suche hinzufügen bzw. ausschließen. Stöbern lässt sich hier natürlich nicht sehr gut und deshalb ist der KVK nur dann sinnvoll, wenn man bereits einen genauen Titel oder eine ISBN hat und nur noch herausfinden will, in welcher Bibliothek dieser vorhanden ist.

Übrigens: Man muss nicht immer einen Bibliotheksausweis besitzen, um die Bibliotheken nutzen zu können. Einfach hingehen und in der Bibliothek lesen geht auch! Und in Einzelfällen kann man auch als Gast ein paar Seiten kopieren.

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