Bertrand Russell: „Philosophie des Abendlandes“

russell

Bertrand Russel (1872-1970) war ein US-amerikanischer Intellektueller, der sich zeitlebens für Frieden und Freiheit stark machte.
Im Vergleich zu dem ein Jahr später geborenen Rudolf Rocker war Russel wesentlich abstrakter und vergeistlichter. Rockers Praxis war mit seinen Theorien im Einklang, er passte beides einander an und war daher überragend.
Russell war da anders – obgleich er sich in seinen Schriften der Freiheit zuneigte und, ähnlich wie Noam Chomsky heute, sich stets für Freiheit und Frieden aussprach, beschränkte er sich eher auf das sich zur Wahl Stellen in der politischen Organisation der Vereinigten Staaten und seine aufklärerische Rolle als Professor und Autor.

Aus diesem Grunde kann man Russel und auch den heutigen Chomsky nicht als Libertären oder Anarchosyndikalisten bezeichnen, sondern man muss sie als Intellektuelle erkennen, die sich Kraft ihres Geistes zu libertären Positionen durchgerungen haben. Wir können daher ihre Forschungsergebnisse für uns benutzen, müssen aber die entsprechenden praktischen Schlüsse erst noch finden. Auf dieser Suche muss uns immer im Hinterkopf bleiben, dass selbst die beste Theorie an der Praxis ihre Feinjustierung erfährt.
Nie sollte der Mensch die Praxis oder das Leben an die Theorie anpassen wollen – das führte in der Vergangenheit zu den größten Weltkatastrophen, heute zu einem irrationalen System mehr und wird in Zukunft weiterhin ein schlechter Ratgeber sein.

Russell befürwortete den Syndikalismus bzw. den Gildensozialismus und rezensierte auch Werke der führenden Köpfe des Anarchosyndikalismus, wie die Rudolf Rockers.

Zu „Nationalism and Culture“ schrieb er:
„Rudolf Rockers Buch ‚Nationalismus und Kultur‘ ist ein wichtiger Beitrag zur politischen Philosophie … Ich hoffe, es wird in den Ländern, in denen unvoreingenommenes Denken noch nicht illegal ist, viele Leser finden.“
Er war ein Anhänger libertärer Ideen, nach US-amerikanischem Muster und gründete 1927 eine Schule in diesem Sinne.

Russell setzte sich konsequenterweise gegen den Hitlerfaschismus, wie auch die bolschewistische Variante ein und änderte seine Haltung, die zunächst pazifistisch war, gegen Hitler, in eine Befürwortung des militärischen Weges. Später stand er für einen Präventivkrieg gegen die Sowjetunion ein.
Nach den revolutionären Enttäuschungen durch den Staatskapitalismus der Sowjetunion sah Russell nur eine Sicherung des Friedens durch eine Weltregierung in Form des US-amerikanischen Modells, um den nationalen Hass zu ertränken.
Er war aber keineswegs ein Patriot der USA und untersuchte noch mit über 70 Jahren die US-Amerikanischen Kriegsverbrechen in Vietnam.
Durch die Schrecken der Weltkriege und anderer militärischer Auseinandersetzungen, kam Russell zu dem Schluss, dass zunächst die Friedenssicherung im Vordergrund stehe und alle weiteren gesellschaftlichen Veränderungen (Wie dem Klassenkampf) diesem Ziel untergeordnet werden müssten, was wir so heute nicht mehr unterschreiben können, denn wo die beiden Zielen sich ausschließen, herrscht bereits ein Verständnisproblem.

Der Kritiker J. B. Priestly über Russell:

„Was die Tradition betrifft, so steht ein Philosoph wie Russell, der gerne allen, die da lesen und zuhören wollen, das von ihm erworbene Wissen vermitteln möchte, der großen alten philosophischen Tradition näher als die geheimnistuerischen Fachleute, die nur mit anderen geheimnistuerischen Fachleuten verkehren und Probleme lösen, die außer ihnen kein Mensch versteht.“‚

Zitat aus seinem Werk „Philosophie des Abendlandes“:

„Ganz allgemein lässt sich erklären: Die griechische Philosophie entspricht bis zu Aristoteles der Mentalität des Stadtstaates; der Stoizismus ist auf einen kosmopolitischen Despotismus abgestimmt; die scholastische Philosophie ist ein intellektueller Ausdruck der Kirche als Organisation; die Philosophie seit Descartes, gewiss aber seit Locke neigt dazu, die Vorurteile des kommerziellen Mittelstandes zu vertreten; Marxismus und Faschismus sind dem modernen Industriestaat gemäße Philosophien.“

Bertrand Russell, „Philosophie des Abendlandes“, Europa Verlag Wien München, 1950, Seite 792 von 858.

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