Historische Buchbesprechung: „Das Buch des Lebens“ – Upton Sinclair

der synd

Bücherbesprechung

Upton Sinclair. Das Buch des Lebens. 3 Bändchen je 2,- M. Der Malik-Verlag. Berlin. 1922.

Erst kürzlich ist an dieser Stelle U. Sinclair als der Gestaltungskräftigste und Revolutionärste unter allen Dichtern, die proletarisches Leben schildern, dargestellt worden. Sinclair ist aber nicht nur ein großer proletarischer Dichter, sondern ein ebenso bedeutender und durch und durch revolutionärer Philosoph. Als solcher sieht er seine Aufgabe aber nicht darin, gewissermaßen, in spielerisch wissenschaftlicher Betätigung irgendein neues philosophisches System auszuhecken, sondern ihn drängt es, das Wissen und die Erkenntnis auch fruchtbar zu machen für das wirkliche Leben, besonders gerade für das Leben des Proletariers. Er will Welt und Leben nicht nur erklären, sondern zugleich auch die Wege weisen, wie wir uns zu erhalten haben, um das Leben für den einzelnen wie für die Gesamtheit vernünftiger, gesünder und glücklicher zu gestalten.

Was er hier gibt, ist tatsächlich lebendig und fruchtbar gemachte Wissenschaft, die aus Quellen wissenschaftlicher Erkenntnis schöpft, eine praktische Lebenskunde, wie sie gerade die Alltäglichkeit des Proletarierlebens verlangt, eine wahre Volksphilosophie, die nicht in wirklichkeitsfremden und lebensfernen Konstruktionen endigt, sondern wirkliche, d.h. praktisch auch anwendbare „Lebensweisheit“ bietet. Alle Fragen des Leibes und der Seele der individuellen Lebensführung und sozialen Lebensgestaltung sind hier in einer wahrhaft volkstümlichen und den Bedürfnissen proletarischen Denkens und Wollens entsprechenden Weise behandelt.

Jeder Band ist einzeln beziehbar. Der erste beschäftigt sich mit allgemeinen Fragen des Glaubens, Denkens, der Moral, der Seele usw., der zweite mit Fragen der Gesundheitspflege, Körperkultur und der Liebe und Ehe, und der dritte behandelt das Grundproblem der sozialen Frage, die soziale Revolution, besonders nach ihrer wirtschaftlichen und organisatorischen Seite, wobei er auch zum Sozialismus, Kommunismus, Syndikalismus und Anarchismus Stellung nimmt. Anstatt, daß die Arbeiter sich mit dem unverdaulichen Spüllicht bürgerlicher Populärphilosophen abgeben und so ihr Denken immer wieder in bürgerlich-ideologischem Sinne beeinflussen lassen, sollten sie lieber die Schriften dieses wirklichen Arbeiterphilosophen studieren. Ihre Hirne werden dadurch von allen angelehrten Denknebeln befreit und ihr Wille zu revolutionärer Tat gestärkt werden.

M.H.B.

Aus: „Der Syndikalist“ 1926/21

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