Neuerscheinung: Friedrich Kniestedt „Fuchsfeuerwild“

kniestedt-erinnerungen-umschlag_seite_1Erinnerungen eines anarchistischen Auswanderers nach Rio Grande do Sul.

Das erste Buch der Reihe «Biografien und Erinnerungen» des verlags barrikade ist ab sofort lieferbar! Umfang: 232 Seiten (Format 165 x 235 mm) – empfohlener Verkaufspreis: 18 €uro (keine Buchpreisbindung!).

Dies ist ein Deutsch-brasilianisches Geschichtsbuch – die Erinnerungen eines anarchistischen Agitators und Organisators in Rio Grande do Sul, der über seinen Kampf gegen die versumpfende Sozialdemokratie im deutschen Kaiserreich berichtet, seine Erfahrungen als deutscher Emigrant in Südbrasilien Revue passieren läßt, über seine gewerkschaftlichen Aktivitäten als Anarchosyndikalist erzählt und seinen Kampf gegen die Nazis in Brasilien und gegen das Tausendjährige Reich Hitlers dokumentiert.

Leseprobe: Als anarchosyndikalistischer Aktivist in Porto Alegre, Brasilien – 1918:

[58.] Die deutschen Vereine von Porto Alegre blühten in diesen Jahren aus lauter Furcht, im verborgenen. So mancher Held stellte sein nationales Licht unter den bekannten Scheffel und zeigte sich als Brasilianer. An den deutschen Häusern prangte das bezeichnende Schild: «Esta casa ô brasileira» (dieses Haus ist brasilianisch). Die beiden deutschen Zeitungen erschienen in der Landessprache. Ein Beispiel von Mut: Der Hotelbesitzer Schmidt hatte, als man sein Hotel anbrannte, auf diese Leute geschossen, er wurde verhaftet und später verurteilt. Die Führer der Deutschen beeilten sich öffentlich zu erklären, der Hotelbesitzer Schmidt sei kein Deutscher, wir deutschen Helden verurteilen aus lauter Feigheit das Verhalten von Schmidt, also wir lassen ihn fallen.

In dieser Zeit war es nur der Allgemeine Arbeiter-Verein, der den Mut besass, Farbe zu bekennen, ungeachtet aller nazistischen Strömungen. Wie bereits bemerkt, waren die Streiks 1918 zu Gunsten der Arbeiter verlaufen. Vor allen waren es die Syndikate, die der União Geral dos Trabalhadores angeschlossen waren. Die Federação hatte ihr Lokal nach der Avenida Bom Fim verlegt. Dadurch, dass die UGT gegründet worden war, hatte die Federação bedeutend an Mitgliedern verloren. Leiter war zu jener Zeit der Schneider Collin, der im Namen der Federação eine Verschmelzung dieser Vereinigung mit der UGT beantragte. Nach etwa zweimonatigen Verhandlungen, kam die Verschmelzung zustande. Der Name Federação Operária wurde beibehalten und das Statut der UGT übernommen. Damit wurde die Federação zu einer anarcho-syndikalistischen Vereinigung. In die Verwaltung wurden ernannt: 1. Sekretär, Orlando Martins, Schriftsetzer; 2. Sekretär, Francisco Duarte, Zimmermann; Kassierer, Fr. Kniestedt, Bürstenmacher. Diesen Posten bekleidete ich über acht Jahre.

Nachdem wir mit der Reorganisation fertig waren, gründeten wir als Organ der Federação den O Syndikalista. Für die Redaktion verantwortlich zeichneten Polydoro dos Santos und Orlando Martins, Kassierer war ich. Am 1. Mai 1918 erschien die erste Nummer. Natürlich habe ich für diese Zeitung viele Artikel geschrieben, die mich des öfteren mit der Polizei im Konflikt brachten. Da ich in der Landessprache nicht, wie notwendig, firm war, mussten alle meine Arbeiten aus dem Deutschen ins Portugiesische übersetzt werden, was damals in der korrektesten Weise von einem Redakteur, Hans Grimm, gegen Bezahlung besorgt wurde. Die Liga Operária, also die rein anarchistische Vereinigung, hatte ihre Sitzungen in meiner Wohnung, Rua Tiradentes. Hier hatten wir eine kleine Druckerei eingerichtet, in der neben Flugblättern einige Nummern der
Zeitung A Luta hergestellt wurden. (Seite 147)

Friedrich Kniestedt „Fuchsfeuerwild“
Verlag Barrikade, 2013
232 Seiten
18.-

HIER ERHÄLTLICH

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