Historische Buchbesprechung zu „Joseph Fouché“

der syndBuchbesprechung

Joseph Fouché (Bildnis eines politischen Menschen), von Stefan Zweig, Insel Verlag 1923, 8,50 RM.

Im Gegensatz zur ‚heroischen‘ Biographie hat Stefan Zweig hier das Bildnis eines politischen Menschen geschrieben, der in der großen französischen Revolution der ‚vollkemmenste geniale‘ Hazardeur und charakterlose Verräter war. ‚Es kostete einige Anstrengung‘, schreibt Zweig im Vorwort – ’sich vorzustellen, daß der gleiche Menschen, mit gleicher Haut und gleichen Haaren, 1790 Priesterlehrer und 1792 schon Kirchenplünderer, 1793 Kommunist und fünf Jahre später schon mehrfacher Millionär, und abermals zehn Jahre später Herzog von Otranto war.‘

Joseph Fouché gehört zu den politischen Menschen, die im Hintergrund kalt und gewissenlos ihr frevlerisches Spiel treiben, lediglich um des Ehrgeizes und der Macht willen. Dieser Fouché, der Bluthenker von Lyon, war im Anfang der Revolution der Radikalste unter den Radikalen; überlebte Robespierre, den er an das Messer der Guillotine lieferte, liquidierte die Revolution und arbeitete als Polizeiminister für den Staatsstreich des Generals Bonaparte. Und als die Bourbonen wieder thronten, stand er wieder in ihren Diensten, um schließlich am Ende seines charakterlosen Lebens tragisch dahinzuwelken.

Zweigs psychologische Charakterisierungskunst ist keine moralisierende Verächtlichung dieses Amoralisten; – sie ist eine Erfassung und Sichtbarmachung der Intensität und Leidenschaft eines ‚Charakters‘,’der bewundernswert beharrlich in seiner Charakterlosigkeit war‘. Hüten wir uns! Wir haben in der Arbeiterbewegung hunderte Fouchés, wenn auch kleineren Formats!

Zweigs seelenwissenschaftliche Studie über Fouché ist ein kostbares Dokument, im besten Sinne des Wortes gleichzeitig Dichtung! Das Buch müßte in jeder Organisationsbibliothek den Genossen zugänglich gemacht werden. C.B.

 Aus „Der Syndikalist“ Nr. 1931/45

 Hier geht’s zum Werk

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